Green Book – Filmkritik

Sehr guter Roadmovie mit Viggo Mortensen und Mahershala Ali in den Hauptrollen.

Inhalt – Achtung Spoiler!

In Green Book geht es um zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Einerseits der relativ mittellose Tony Lip, auf der anderen Seite der extrem erfolgreiche Konzertpianist Dr. Don Shirley. Shirley ist ein genialer Musiker mit unzähligen Fans. Nun möchte er auf eine Tour gehen und zwar durch die Südstaaten der USA. Einziges Problem: es sind die Zeiten der Rassentrennung und er ist Afroamerikaner. Er braucht also einen richtig guten Plan. Und sein Plan ist es, sich von Tony Lip, der für seine direkten Methoden bekannt ist, durch die Südstaaten chauffieren zu lassen. Tony ist erst wenig begeistert von der Idee, aber da sein derzeitiger Arbeitsplatz geschlossen ist, muss sowieso eine andere Arbeit her, um die Brötchen zu verdienen. Er willigt somit ein und die Reise beginnt. Während der Fahrt gibt es einige Zwischenfälle, die Tony für Don lösen muss.

Kritik

Dieser Film zeigt etwas, was die meisten sich eigentlich gar nicht mehr vorstellen können: ein berühmter und gefeierter Pianist wird abseits der Bühne nur wegen seiner Hautfarbe nicht mehr akzeptiert. Er darf vor den reichen Leuten spielen, er wird bejubelt, aber auf die gleiche Toilette wie die feinen Weißen, darf er nicht. Es ist seltsam und doch war so etwas in den USA in den 60er Jahren an der Tagesordnung.

Dr. Don Shirley, wunderbar gespielt von Mahershala Ali, mimt zunächst den Überheblichen, den Unnahbaren. Im Verlauf der Geschichte sehen wir dann aber, dass er ein ganz verletzlicher Mensch ist, der nach seinem Platz in dieser Welt, in diesem Leben sucht und nicht recht finden mag, der einsam ist, dort ganz oben an der Spitze seiner Karriereleiter. Der viele Fans hat und dennoch als Mensch überhaupt nicht akzeptiert wird. Diesen Spagat schafft es der Schauspieler ganz eindrücklich zu zeigen.

Viggo Mortensen spielt Tony Lip. Im ersten Moment stolpert man über sein verändertes Äußeres, so angealtert und mopsig kennen wir ihn eigentlich nicht. Aber schnell wird klar, dass dies seine Rolle ist und er lebt sie. Man kauft sie ihm ab. Er begegnet seinem neuen Boss mit seiner Bronx-Manier, und wird von diesem ein wenig zum Besseren bekehrt. Im Verlauf des Films nähern beide sich vorsichtig an und es ist wirklich wunderschön dies zu beobachten. Wie beide sich besser kennen lernen, sich anfreunden, füreinander einstehen und das Ende ist dann irgendwie überraschend und gleichzeitig doch wieder nicht.

Der Film nimmt uns wirklich gut an die Hand, zeigt uns, was früher Alltag war und hoffentlich nie wieder sein wird. Er rutscht aber nicht zu sehr darin ab sondern bleibt bei der Entwicklung der beiden Hauptcharaktere kontinuierlich dabei.

Die Kamera zeigt teilweise recht lange Einstellungen in denen gesprochen wird, sie hält unaufgeregt drauf. Die Bilder sind warm gehalten. Die Musik besteht oft aus dem, was Don auf der Bühne performt.

Fazit

Für mich ein gelungener Roadmovie mit wunderbaren Schauspielern, die ganz und gar in ihrer Rolle aufgehen und der ganzen Geschichte den nötigen Tiefgang geben.

Für mich ganz klar: Angucken!

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