Okja – Filmkritik

Regie: Bong Joon-ho Erscheinungsjahr: 2017

Das Superschwein

Eine Firma verteilt 26 kleine Superschweinchen an 26 ausgewählte Bauern in der ganzen Welt. Jedes Schweinchen soll nach deren örtlichen Standards groß gezogen werden. Nach zehn Jahren dann soll das beste Schwein gewählt und der Welt präsentiert werden.

Die ganze Geschichte beginnt also mit diesem wunderbaren Plan einer sehr ökologisch orientierten Firma, die auf der Suche sind nach neuen Fleischlieferanten, die ganz klar super hip, super öko und super gut schmecken sollen. Das Marketinggesicht der Firma ist der sehr sehr verrückte und exzentrische Dr. Johnny, für mich überraschend anders gespielt von Jake Gyllenhaal. Sein unmögliches Outfit, dazu die verstellte Stimme (bitte im O-Ton gucken!) machen echt Spaß. Jake erkundet in dieser Rolle die Grenzen zwischen Ausgeflipptheit und purem Wahnsinn. Leider etwas wenig Screentime, aber gut, es ist auch nur eine Nebenrolle.

Die Chefin der Firma, grandios gespielt von Tilda Swinton, gibt sich nach außen freundlich, nett, liebenswert. Aber sie ist Geschäftsfrau durch und durch. Tilda Swinton selbst hat für mich irgendwie immer einen gewissen Gruselfaktor: sie spielt immer so authentisch, dass man fast den Eindruck gewinnt, dies sei sie in echt und nicht nur in der Rolle.

Zu Beginn des Films lernen wir auch gleich Okja kennen, die mit ihrer Freundin Mija (Ahn Seo-hyeon) und deren Opa in den Bergen Südkoreas lebt. Die beiden sind wirklich die besten Freunde, sie verbringen jeden Tag zusammen. Okja ist ein genmanipuliertes Schwein, das vom Charakter her aber doch eher an einen Hund erinnert, als an ein Schwein. So wachsen beide gemeinsam auf über die zehn Jahre, die Okja dort bleiben soll und haben dadurch verständlicherweise eine sehr enge Beziehung zu einander. Ahn Seo-hyeon ist wirklich ein Glückstreffer, die reinste Traumbesetzung für diese Rolle.

We‘re business people and that‘s the business we do

Nachdem die zehn Jahre vorbei sind, soll Okja also zurück nach Amerika. Aber das ist etwas, was Mija niemals zulassen kann. Als Okja einfach abgeholt wird, reist sie ihr nach und setzt alle Hebel in Bewegung, um ihren Freund zu retten.

Das ist auch so in etwa der Punkt an dem der Film seine Leichtigkeit abschüttelt und uns mit den wirklich echten Fragen des Lebens konfrontiert. Zwar verzichtet der geniale Regisseur auf übertriebene Schreckensbilder, er lässt uns stattdessen immer wieder in menschliche Abgründe blicken. Und auch zeigt er uns die Doppelmoral, die wir alle täglich leben: die Menschen auf der Straße jubeln den Firmenchefs und Marketinggesichtern zu, befassen sich aber keine Sekunde mit dem, was da hinter den Kulissen abläuft. Obwohl die Tierbefreiungsbewegung auf der Bühne die erschreckenden Bilder aus den Labors zeigt, stellt die Schwester der Chefin der Firma später trocken fest: „Es ist billig, also werden die Leute es kaufen.“.

Mich hat der Film zwei Stunden in den Sessel gefesselt. Er hat mir an manchen Stellen Spaß gemacht, aber hauptsächlich zum Nachdenken angeregt. Auch das Ende des Films hat für mich eine gewisse Doppeldeutigkeit. Für Mija ist zwar die Welt wieder soweit in Ordnung, aber eigentlich ist sie es nicht. Bleibt die Frage, was kann der Einzelne wirklich dazu beitragen, dass sich etwas ändert?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s