Die Kunst des toten Mannes / Velvet Buzzsaw – Filmkritik

Regie: Dan Gilroy Erscheinungsjahr: 2019

Ist das Kunst oder kann das weg?!

Über diese Frage entscheidet in L.A. ein Mann: Morf Vandewalt (Jake Gyllenhaal). Und bei ihrer Beantwortung nimmt er kein Blatt vor den Mund: er bewertet alles, was sich nicht wehren kann. Er macht Künstler oder er lässt sie absaufen. Er ist ein Arschloch und es ist ihm sche*ßegal. Morf stolziert also möglichst affektiert in Galerien herum, während die einzige Frau, die ihm halbwegs menschliche Gefühle und Gedanken entlocken kann, gerade den Fang des Jahrhunderts, ach was, der Menschheitsgeschichte macht: Sie entdeckt in der Wohnung eines verstorbenen Nachbarn dessen künstlerisch wertvolle Gemälde. Sie sind abgrundtief düster, einschüchternd und genauso ansprechend für Josephina (Zawe Ashton). Die Bilder haben eine gewisse Aura und alle sind furchtbar begeistert und hypen die Kunstwerke.

Zu schön um wahr zu sein…

Der Spaß hält leider nicht sehr lange an, denn schon bald gibt es einige seltsame Todesfälle. Morf hat einen Verdacht, was los ist, aber natürlich glaubt ihm keiner.

Die Kunst des toten Mannes schafft es, die Kunstszene auf die Schippe zu nehmen, sodass ich ein paar Mal herzlich gelacht habe. Jake Gyllenhaal als tierisch affektierter Lackaffe, der meint, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, hat mir wirklich gut gefallen. Ich fand es auch toll, dass er zwischendurch einige Szenen hat, in denen gezeigt wird, dass er dennoch ein Mensch mit echten Gefühlen ist. Und hier kommt eine Schauspielerin auf den Schirm, die ich bisher nicht kannte: Zawe Ashton. Sie hat für mich echt aufgetrumpft, wie sie die Rolle der Josephina gespielt hat. So eis-eis-eiskalt. Wow. Ich mochte Josephina tatsächlich ganz gerne. Sie zeigt dabei wirklich gut, wie Leute werden, wenn es um‘s große Geld geht. Manche sind dann nämlich bereit, alles zu tun und gehen zur Not über Leichen ohne mit der Wimper zu zucken.

Apropos Leichen: Die Morde fand ich persönlich gut inszeniert, aber für einen Horror-Film doch etwas schwach. Ich muss dazu sagen, dass ich eigentlich Filme aus dieser Kategorie vermeide, weil sie mich oft nicht gut schlafen lassen. Und diese Bedenken hegte ich auch nach dem Trailer zum Film. Allerdings kann ich nur sagen, dass das unnötig war. Der Film ist definitiv eher ein Thriller, der vielleicht stellenweise mit Horrorelementen spielt, aber mehr auch nicht.

Obwohl ich wie gesagt, die Leistungen von Zawe Ashton und natürlich auch Jake Gyllenhaal zu schätzen wusste, beide haben echt gut aufgespielt, ist das dennoch ein Film, den ich nicht noch einmal schauen werde. Er blieb mir insgesamt leider zu oberflächlich, die Ideen, die sicher dahinter standen und die ich auch sehen und verstehen kann, fügen sich einfach nicht richtig zu einem Gesamtkunstwerk. Man kann sich sicher von dem Film einen Abend unterhalten lassen, wie gesagt, die Morde sind nett inszeniert und Jake Gyllenhaal als überheblicher Kunstkritiker ist auch ein Hingucker, aber es ist eben kein überragendes Werk.

Fazit

Wer einfach nur etwas Abendunterhaltung sucht, der ist hier richtig. Für alle Fans von Jake Gyllenhaal ist sowieso klar, dass sie den Film schauen werden, oder? 😉

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