Everest – Filmkritik

Regie: Balthasar Kormakur Erscheinungsjahr: 2015

Klettern für Jedermann

Der Film erzählt die Geschichte einer Besteigung des Mount Everest einer Gruppe mehr oder weniger erfahrener Bergsteiger und deren Bergführer. Das Ganze ist allerdings eher ein Geschäft als alles andere: die Leute wollen auf den Everest, aus Gründen, die ihnen allerdings selbst nicht einfallen, was wiederum recht aussagekräftig ist.

Die erste Hälfte des Films läuft auch alles ziemlich nach Plan, die Gruppen von Menschen kraxeln an Leichen vorbei von einem Lager zum nächsten den Berg hinauf. Noch ist alles recht entspannt und lustig, im ein oder anderen Camp werden feuchtfröhliche Partys gefeiert. Am Berg herrscht außerdem quasi Massentourismus, irgendwie jeder kann sich gegen ein paar viele Scheine den Berg rauf bringen lassen. Auf eigene Verantwortung natürlich. Gerne mal googeln an dieser Stelle. 😉

Aber weiter mit dem Film: wir lernen einige der Personen kennen, die bei dieser Expedition dabei sind. Leider muss ich sagen, kam bei mir hier recht schnell Verwechslungsgefahr auf. Ich war eigentlich den ganzen Film über immer wieder etwas verwirrt, wer jetzt wer ist, einerseits weil wir die Personen vorher nicht kennen lernen in ihrem eigentlichen Umfeld sondern direkt im Berg Setting, dann weil sie sich teilweise recht ähnlich sehen und sie sich zu allem Überfluss auch immer wechselnd mit Vor- oder Nachname ansprechen. Meine Verwirrung war stellenweise perfekt.

Höhen und Tiefen

Nach etwa der Hälfte des Films macht dieser eine drastische Kehrtwende: es werden Fehlentscheidungen getroffen von Menschen, die es besser wissen müssten. Jeder, der sich schon mal mit dem Thema Bergsteigen beschäftigt hat, ahnt also bereits, was alles passieren wird. Ich will hier aber nicht spoilern. Das Tempo legt also insgesamt etwas zu, ist aber immer noch relativ langsam. Trotzdem ist die Spannung hoch beziehungsweise sie intensiviert sich abwiesen Punkt weiter.

Obwohl der Film an verschiedenen echten Bergen gedreht wurde, also kein Studiofilm ist, und dort auch recht raue Bedingungen vorherrschten, kam leider das wahre „Oh Gott, die klettern echt in der Todeszone des Everest rum“ Feeling irgendwie nicht so richtig bei mir auf. Ich kann gar nicht so genau sagen, woran das lag. Was der Regisseur meiner Meinung nach völlig verpasst hat, ist uns als Zuschauer auf eine Seite zu lenken. Man bleibt während dem Film die ganze Zeit auf der neutralen Position stecken, wir kommen nicht dahin, dass Entscheidungen hinterfragt werden, es vielleicht Diskussionen oder auch Streits über mutmaßlich falsch getroffene Entscheidungen gibt oder irgendwas in diese Richtung. Der Regisseur sagte zwar, dass dies seine Absicht gewesen sei, was ich auch durchaus glaube, allerdings macht es aus meiner Sicht nicht wirklich Sinn für einen Spielfilm. Wir sind und bleiben also außen vor. Und so ist der Film für mich vom Feeling her eben fast eher ein Dokumentarfilm als ein Spielfilm. Ja, er ist spannend und wir wollen wissen, wie alles endet, keine Frage. Aber das wollen wir ja auch bei einer Tierdoku wissen: ob der Löwe die Gazelle kriegt oder nicht.

Ich möchte den Film aber gar nicht zu negativ darstellen. Er hat mich gut unterhalten, die Aufnahmen vom Berg, der Soundtrack und auch die Schauspieler sind toll. Der Spannungsbogen stimmt und man kann gut dabeibleiben über die 120 Minuten Laufzeit. Er ist eben, was er ist: ein Hollywoodfilm für die eher seichte Abendunterhaltung. Aber dafür ist er top. Wer wirklich die Auseinandersetzung mit der Thematik des Bergsteigens sucht, ist hier wohl eher an der falschen Adresse.

Fazit

Ein guter Film für das Abendprogramm, zwei Stunden Unterhaltung sind gesichert, aber Tiefgang sucht man leider vergebens. Wen‘s nicht stört, der wird hier viel Spaß haben. Genug Stars gibt‘s ja auch eh zu bewundern.

2 Kommentare zu „Everest – Filmkritik

    1. Wow ok, ja leider fand ich den weniger stark, aber die Story selbst hätte sicher genug hergegeben. Ich mag ja so Bergsteiger-Storys, hab mich lange mit sowas beschäftigt, Bücher dazu gelesen usw. Fing damals mit Sieben Jahre in Tibet an.

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