
Regie: Marco Kreuzpainter Erscheinungsjahr: 2019
Pflichtverteidiger für einen Mörder
Ein Mann tötet einen Firmenchef aus unbekannten Gründen. Ohne irgendetwas zu wissen nimmt der junge Anwalt Caspar Leinen (Elyas M‘Barek) den Fall als Pflichtverteidiger an. Er möchte seine Arbeit so gut wie möglich machen, allerdings spricht der Angeklagte überhaupt nicht mit ihm. Dann wird klar, wer eigentlich ermordet wurde und dass Caspar diesen Mann nicht nur persönlich kannte.
Der Film basiert auf dem Buch von Ferdinand von Schirach, was ich allerdings nie gelesen habe, wie ich gestehen muss. Mich hat der Film hauptsächlich interessiert, weil ich Elyas M‘Barek endlich mal in einer ernsthaften Rolle sehen wollte. Ich war nämlich immer überzeugt, dass er durchaus was auf dem Kasten hat. Für alle, die aus dem gleiche Grund den Film sehen möchten, tut es. Elyas M‘Barek ist ein wirklich guter Schauspieler, vielleicht einer der besten, die wir in Deutschland haben und diese Rolle spielt er so wunderbar.
Ich möchte mich an dieser Stelle nicht mit Lob überschlagen, obwohl vielleicht doch. Die deutsche Filmindustrie ist leider gerade im Vergleich zu der in Amerika ein recht schlechter Witz. Leider ist das wirklich so. Ich möchte mich jetzt nicht stundenlang darüber auslassen, aber mal ehrlich, das einzige, was hier in Deutschland am laufenden Band präsentiert wird, sind dämliche Rom-Coms. Ja, sie sind meist ganz witzig, das möchte ich nicht abstreiten. Aber sie haben eben null Tiefgang und wirkliches Talent als Schauspieler/in braucht man dafür jetzt auch nicht so richtig. Sorry!
Der Rechtsanwalt plädiert auf Freispruch
Aber so dann und wann kommt ein kleines Goldstück aus Deutschland. Und dieser Film ist so eines. Er ist intelligent gemacht, er ist eindrücklich, manche Szenen waren für mich extrem schwierig zu ertragen, aber weil sie eben so stark gedreht und gespielt waren. Er hat den erhofften Tiefgang und ja, auch Schauspieler/innen, die in ihren Rollen richtig abgeliefert haben. Oft sind Buchverfilmungen ziemlich schwierig. Da ich das Buch nicht kenne, kann ich dazu allerdings keine Rückmeldung geben. Ich kann nur sagen, mir hat der Film richtig gut gefallen. Und ich bin beruhigt, dass wir in Deutschland doch auch in der Lage sind, sowas auf die Beine zu stellen, mit dem man sich nicht vor den amerikanischen Produktionen verstecken muss.
Noch ein Wort zu Franco Nero, der den Mörder spielt: Mann, hat der mich beeindruckt in seiner Rolle. Der reißt echt die Hütte ab, toll. Und dabei sagt er so wenig tatsächlich. Wirklich eine tolle deutsche Produktion, die man sich gut angucken kann. Aber Achtung: das ist keine Freitagabend-Unterhaltung. Der Film hat wie gesagt Tiefgang und einige Szenen sind schwer verdaulich.