The Sisters Brothers – Filmkritik

Regie: Jacques Audiard Erscheinungsjahr: 2018

Let‘s ride..!

Zwei Brüder, einer dauernd besoffen und gerne gewalttätig, der Zweite dafür oft in Sorge um den Ersten, verrichten die Drecksarbeiten für den Kommodore. Meistens geht es dabei darum, irgendjemand aufzusuchen und umzulegen.

Bei ihrem neusten Job allerdings, sollen sie einen jungen Chemiker (Riz Ahmed) in ihre Gewalt bringen und seine Geheimformel zum Goldschürfen aus ihm heraus pressen. Kein Thema für die zwei, sie machen sich auf den Weg. Allerdings ist auch noch ein anderer hinter dem Chemiker her: ebenfalls ein Mann des Kommodore, John Morris (Jake Gyllenhaal).

Man könnte also denken, dass es sich hier um einen gewöhnlichen Western handelt, allerdings merkt man schnell, dass dem nicht so ist. Während in anderen Filmen die Männer tagelang selbstgefällig schweigend nebeneinander her reiten würden, sind diese Typen fast schon Quasselstrippen. Sie reden über alle möglichen und unmöglichen Sachen. Eli (John C. Reilly) philosophiert darüber, dass er sein Leben ändern möchte, lieber irgendwo einen kleinen Laden eröffnen möchte, während Charlie (Joaquin Phoenix) feststellt, dass aufgrund seines Vaters Blutes in seinen Adern eine Familiengründung vermutlich eher scheitern würde.

Der junge Chemiker Hermann und John Morris unterdessen freunden sich zunächst nur zum Schein an, schließlich ist Morris ja vorgeschickt worden, er soll ihn für die zwei Brüder festhalten. Da John aber eigentlich ein eher sanfterer Typ ist, kann er dann die Vorstellung, dass Hermann gefoltert wird doch nicht aushalten und die beiden machen gemeinsame Sache.

Vier Fäuste für ein Hallelujah?

Ich mag an diesem Film wirklich, dass die nach Außen so hart und tough wirkenden Männer, die Chance bekommen, sich mal anders zu zeigen. Es wird hier nicht das altbekannte Männerbild wiedergekäut. Zugegeben, es funktioniert oft und doch sind wir ja mittlerweile in einem Zeitalter angekommen, in dem auch Männer gesprächig sein dürfen, vermeintliche Schwäche zeigen dürfen und insgesamt einfach nicht immer nur super tough und krass drauf sein müssen. Mir gefällt das. Ich habe schon genug „harte Hunde“ in Filmen gesehen und es langweilt mich. Außerdem werden hier auch außerdem noch vier ganz unterschiedliche Charaktere aufeinander los gelassen. Aber auch in diesem Zusammenspiel der vier rutscht der Film nicht in Stereotype ab.

Der Film ist tatsächlich ein Western, aber einer, der in die heutige Zeit passt. Er ist kein Actionfilm, wilde Schießereien mit spektakulären Kamerafahrten und/oder -winkeln und -einstellungen sucht man hier vergebens. Man findet stattdessen vier hochkarätige Schauspieler, die wirklich alles für den Film geben. Joaquin und Jake in einem Film sind für meine Begriffe die reinste Traumbesetzung. John Reilly, der sonst ja eher in Komödien zu sehen ist, liefert hier richtig authentisch ab, was ich so gar nicht erwartet hatte, gebe ich ehrlich zu. Riz Ahmed ist für mich immer wieder eine Überraschung, auf die gute Art natürlich. Der Film bietet tatsächlich einige witzige Szenen, aber ich traurige, nachdenkliche und ja, manchmal auch etwas schockierende.

Fazit

Dieser Film ist was für Leute, die sich schon immer einen Western mit Tiefgang gewünscht haben. Leute, die sich für ein neues Männerbild interessieren. Leute, die sonst keine Western gucken und einfach nur daran interessiert sind, was ihre Lieblingsschauspieler hier wohl abgeliefert haben. Ihr werdet nicht enttäuscht sein.

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